Weltreise: bunt, spannend, abwechslungsreich, neu, unterhaltsam, schwungvoll, überraschend - ein Begriff, wie geschaffen für ein Konzert-Motto. Und dem 1. Handharmonika-Club (HHC) Mutterstadt gelang es unter der Leitung von Vladimir Korol in seinem Spätjahreskonzert, dieses Thema mit Orchester, Ensemble, Jugendorchester und Duo in vielen musikalischen Facetten auf die Bühne des Palatinum Mutterstadt zu bringen.
450 Gäste - unter ihnen Ehrengäste: Rheinland-pfälzische Landtagsvizepräsidentin Hannelore Klamm, Bürgermeister Hans-Dieter Schneider und sein Amtskollege Dr. Peter Kern aus der Nachbargemeinde Limburgerhof sowie Landesverbandsvorsitzender Manfred Baudisch - begrüßte der 1. Vorsitzende Wendelin Magin zu dem kurzweiligen Trip und übergab die Moderation auch gleich an "Reiseleiter" Joachim Ratzel, der humorvoll-launig-informativ durchs Programm führte. Los ging es beim unmittelbaren Nachbarn Holland mit La Storia von Jacob de Haan und seinem steten Wechsel zwischen weiter Orchesterharmonik und eingängigen Mitsumm-Melodien. Dann folgte Irland und der Lord of the Dance – mal melancholisch, mal rasant-quirlig. Nach Afrika entführte das groovige The Lion sleeps tonight, bevor der Swing-Klassiker Hello Dolly in Amerika zu einem ersten Zwischenstopp einlud.
Schon jetzt wurde klar: das HHC-Orchester hat sich unter seinem neuen Dirigenten Vladimir Korol auch eine neue Spielkultur erarbeitet. Der gebürtige Russe – Diplomkonzertsolist und –musiklehrer, Meisterschüler und Dozent der Moskauer Gnesin Musikhochschule, Wettbewerbspreisträger und Leiter einer Bajanschule in Wiesbaden – formte und schulte das Orchester in nur einem halben Jahr vor allem in Sachen Synchronität, Transparenz und Dynamik. Eine bemerkenswerte Entwicklung, die das Publikum mit großem Beifall ebenso würdigte, wie seine mitreißende Art, Musik beim Dirigieren "zu leben."
Der Originalmusik für Akkordeon nahm sich einmal mehr das Ensemble des HHC an. Emotions von Hans-Günther Kölz hieß die große Hürde, die Monika Keller, Dr. Martina Gerber, Gertrud Heberger, Gunther Holzwarth, Rolf Dörner und Wendelin Magin sicher meisterten. Der Toholampi-Blues aus Finnland überraschte mit ungewohnten, aber originellen Rhythmen. Auch der immer noch frische Tango sentimentale von Altmeister Rudolf Würthner bewies, dass anspruchsvolle Akkordeonmusik keine Errungenschaft der letzten Jahre ist.
Ebenso hatte das Jugendorchester fleißig geübt, geprobt und sich unter der Leitung von Dr. Martina Gerber weiter verbessert. Die wichtige Nachwuchsarbeit steht auf einer breiten Basis: neben Akkordeon- und Keyboardkursen im Verein werden an zwei Ganztagesschulen Akkordeon-AGs angeboten. "Das gesamte Konzert wird nur von HHC-Eigengewächsen bestritten", betonte deshalb Joachim Ratzel. Die 18 jungen Musiker nahmen das Publikum bei A bright day und Blues, Ballad and Boogie mit nach Amerika und – hey – wer behauptet, Jugendorchester können nicht leise spielen? Apropos Lautstärke: zum guten Gesamteindruck trug auch die Beschallungs- und Aufnahmetechnik bei, die von Dr. Jürgen Blaul und Markus Kipper (WUM-Tonstudio Limburgerhof) professionell koordiniert wurde.
Folklore darf auf einer Weltreise nicht fehlen und diesem Teil widmeten sich Monika Keller und Rolf Dörner. Das Duo hatte sich aus den vielfältigen Folklore-Arrangements von Georg Espitalier eine kleine Suite zusammengestellt. Gopak (Russland), Czardas (Ungarn) und Ragpick (Irland) bescherten die unterschiedlichsten Melodien und Tänze zwischen urwüchsig, melancholisch und lebensfroh. Nicht nur Fingerakrobatik sondern vor allem einfühlsames Zusammenspiel waren gefragt und wurden geboten.
Tango Appassionado von Thomas Ott, ABBAs Welthit Thank you for the music und ein rockiges Elton-John Medley führten die Weltbummler allmählich gen Heimat. Und für die endgültige Landung in Mutterstadt hatte man sich noch etwas besonderes ausgedacht. Haupt- und Jugendorchester spielten gemeinsam Gruß aus de Palz, ein Potpourri bekannter Lieder, arrangiert vom ehemaligen Dirigenten des HHC Karl Franz. Eine Referenz und ein Schlusspunkt, die mit wiederum großem Applaus belohnt wurden.
Text: Rolf Dörner